BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Kreistagsfraktion Siegen-Wittgenstein

Stand und Perspektiven des Ausbaus der Ladeinfrastruktur für batterieelektrische LKW und Busse im Kreis Siegen-Wittgenstein

Anfrage zum Ausschuss für Bau, Verkehr und Klimafolgeanpassung

Kreuztal, 12. August 2026

Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gemäß §9 Abs. 6 GO KT zum Ausschuss für Bau, Verkehr und Klimafolgeanpassung am 21.09.2026

Sehr geehrte Herr Landrat Müller,

sehr geehrter Herr Ausschussvorsitzender Jung,

die Kreisverwaltung wird gebeten, folgende Fragen zu beantworten:

  1. Welche Erkenntnisse liegen der Kreisverwaltung über den aktuellen Bestand an Ladeinfrastruktur für batterieelektrische LKW und Busse im Kreis Siegen-Wittgenstein vor?

  1. Sind der Kreisverwaltung Planungen oder konkrete Projekte zum Neu- oder Ausbau entsprechender Ladeinfrastruktur bekannt? Wenn ja, wo befinden sich diese und in welchem Planungs- oder Umsetzungsstand sind sie?
  1. Welche Rolle sieht die Kreisverwaltung für den Kreis Siegen-Wittgenstein bei der Koordinierung des Ausbaus einer Ladeinfrastruktur für schwere batterieelektrische Nutzfahrzeuge?

  1. Welche Gespräche oder Kooperationen bestehen bereits mit den kreisangehörigen Kommunen, Energieversorgern, Netzbetreibern, Verkehrsunternehmen, Speditionen oder der Autobahn GmbH des Bundes zum Ausbau entsprechender Ladeeinrichtungen?

  1. Wie bewertet die Kreisverwaltung den zukünftigen Bedarf an Ladeinfrastruktur für batterieelektrische LKW und Busse im Kreisgebiet vor dem Hintergrund der Elektrifizierung des Güterverkehrs und des öffentlichen Personennahverkehrs?

  1. Welche Förderprogramme von Bund, Land oder Europäischer Union stehen derzeit für den Ausbau einer solchen Infrastruktur zur Verfügung und welche Möglichkeiten sieht die Kreisverwaltung, diese für Projekte im Kreisgebiet zu nutzen?

  1. Welche Überlegungen oder Planungen bestehen seitens der Kreisverwaltung, eine kreisweite Strategie oder ein Infrastrukturkonzept für den Aufbau von Ladeeinrichtungen für schwere batterieelektrische Nutzfahrzeuge zu entwickeln oder zu unterstützen, und wie wird eine gegebenenfalls ablehnende Haltung begründet?

  1. Welche Möglichkeiten sieht die Kreisverwaltung, ihre Rolle als ÖPNV-Aufgabenträger, Genehmigungs- und Planungspartner sowie als regionaler Koordinator zu nutzen, um Ladeinfrastruktur für Busse und schwere Nutzfahrzeuge frühzeitig mitzudenken?

  1. Die NOW nennt beim Bundesprogramm ausdrücklich Ladeinfrastruktur, Netzanschluss, Batteriespeicher sowie Lade- und Lastmanagement als förderfähig. Prüft die Kreisverwaltung, ob sie Unternehmen, Kommunen oder Verkehrsunternehmen im Kreisgebiet aktiv bei der Identifikation und Nutzung aktueller Förderprogramme unterstützen kann, etwa durch Informationsangebote, Bündelung von Standortvorschlägen oder gemeinsame Förderkulissen? Mit der Bitte um eine umfängliche Antwort.

  1. Welche Auswirkungen erwartet die Kreisverwaltung aus den europäischen AFIR-Vorgaben sowie aus dem vom Bund geplanten E-Lkw-Schnellladenetz auf den Kreis Siegen-Wittgenstein, und welche Standorte im Kreisgebiet oder in unmittelbarer Nachbarschaft könnten davon betroffen sein?

Begründung

Die Elektrifizierung des Güterverkehrs und des öffentlichen Personennahverkehrs schreitet zunehmend voran. Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz batterie-elektrischer LKW und Busse ist eine leistungsfähige und bedarfsgerechte Ladeinfrastruktur.

Der Kreis Siegen-Wittgenstein ist als Industrie-, Logistik- und Wirtschaftsstandort sowie durch seine Lage an den Autobahnen A45 und A4 in besonderer Weise von dieser Entwicklung betroffen. Um Unternehmen, Verkehrsunternehmen und Kommunen bei der Transformation zu unterstützen, ist ein Überblick über den aktuellen Stand sowie über die zukünftigen Planungen erforderlich.

Die Beantwortung der Anfrage soll dem Verkehrsausschuss eine fundierte Grundlage für die weitere politische Beratung und gegebenenfalls die Entwicklung einer kreisweiten Strategie zum Ausbau der Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge bieten.

Die Dringlichkeit ergibt sich auch aus der Entwicklung in der Region. In Nachbarkreisen werden bereits konkrete Schritte zur Elektrifizierung des Busverkehrs und zum Aufbau entsprechender Depotladeinfrastruktur umgesetzt. So entstehen im Märkischen Kreis an den Betriebshöfen Lüdenscheid und Iserlohn umfangreiche Ladepunkte für Elektrobusse; auch im Hochsauerlandkreis und im Kreis Soest werden batterieelektrische Busse im Regionalverkehr eingeführt.

Gleichzeitig ist der Kreis Siegen-Wittgenstein durch die A45/A4, die B54, die industriell geprägte Wirtschaftsstruktur sowie vorhandene Umschlagstrukturen wie das Container-Terminal Kreuztal in besonderer Weise vom Schwerlast- und Güterverkehr betroffen. Vor diesem Hintergrund sollte frühzeitig geklärt werden, welche Standort-, Netzanschluss- und Fördermöglichkeiten im Kreisgebiet bestehen und welche koordinierende Rolle der Kreis dabei übernehmen kann.

Begründung in einfacher Sprache

Immer mehr LKW und Busse werden in den kommenden Jahren elektrisch fahren. Dafür werden leistungsfähige Ladestationen benötigt. Ob und wo solche Standorte im Kreis Siegen-Wittgenstein bereits vorhanden sind oder geplant werden, ist bislang nicht ausreichend bekannt.

Mit dieser Anfrage soll ein Überblick über den aktuellen Stand und die Planungen gewonnen werden. Außerdem soll geklärt werden, welche Rolle der Kreis beim Ausbau der Ladeinfrastruktur übernehmen kann und welche Fördermöglichkeiten es gibt.

Die Antworten der Kreisverwaltung helfen dem Verkehrsausschuss einzuschätzen, ob weiterer Handlungsbedarf besteht und wie der Kreis die Städte, Gemeinden,

Verkehrsunternehmen und die heimische Wirtschaft bei der Umstellung auf klimafreundliche Antriebe unterstützen kann.

Die Entwicklung in den Nachbar-Kreisen zeigt: Das Thema ist dringend.

Im Märkischen Kreis werden an den Bus-Betriebshöfen in Lüdenscheid und Iserlohn neue Ladestationen für Elektrobusse gebaut. Auch im Hochsauerlandkreis und im Kreis Soest fahren oder kommen bald Elektrobusse im Regionalverkehr zum Einsatz.

Der Kreis Siegen-Wittgenstein ist besonders stark vom Lastwagen- und Güterverkehr betroffen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Durch den Kreis verlaufen wichtige Straßen wie die A45, die A4 und die B54. Außerdem gibt es viele Industrie-Unternehmen. Mit dem Container-Terminal in Kreuztal gibt es zudem einen wichtigen Ort für den Güterumschlag.

Deshalb sollte der Kreis frühzeitig prüfen, wo Ladeinfrastruktur entstehen kann. Außerdem sollte geklärt werden, wo genügend Stromanschlüsse möglich sind, welche Fördermittel genutzt werden können und welche Aufgaben der Kreis bei der Planung und Abstimmung übernehmen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Tobias Bröcker und Ulrich Schmidt-Kalteich         
Fraktionsvorsitzende



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